Hotel »Stadt Norden« soll abgerissen werden

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Am Ende bleibt nur die Fassade – und dahinter entstehen 51 hochwertige Wohneinheiten und zwei Ladenlokale zum Neuen Weg. Das Hotel »Stadt Norden«, schon länger leerstehend,  hat einen neuen Besitzer mit neuen Plänen für den Komplex gefunden. Die wurden am gestrigen Mittwoch dem Bauausschuss vorgestellt.

© Architekturbüro Reinhard Schneider

Der Norder Architekt Reinhard Schneider machte deutlich, dass es zum Abriss keine Alternative gebe: Decken sind bereits eingebrochen, Wasserschäden ziehen sich durch die Etagen, »nur abreißen. Punkt«. Lediglich die das »Ortsbild prägende« Fassade (Denkmalschutz) werde erhalten, nach Archiv-Fotos etwas zurückgebaut.

Dahinter dann: ca. 4.100m2 Wohnfläche verteilt auf 51 Wohneinheiten, von der 1-Zimmer-Wohnung mit 34m2 bis zur 4-Zimmer-Wohnung über 161m2. Ein Innenhof und ein »Wellness-Bereich« im Dachgeschoss sollen das »Stadthaus Norden«, so der vorgesehene Name, schmücken. Slogan: »Wohnen und erholen«.

© Architekturbüro Reinhard Schneider

Etwas unklar war die neue Inhabersituation: Mal sprach Architekt Schneider von Herrn Edebali aus Estland, mal von Familie Edebali eben daher. Erdal Edebali, vor Ort mit Frau und Kindern angereist, hinterließ freundlich seine Visitenkarte mit der Firmenbezeichnung »E.K. Invest Group OÜ« mit Sitz im estnischen Viimsi. Dass nun auch noch im Handelsregister des Amtsgerichts Aurich seit Februar 2016 eine »Hotel Stadt Norden Betreibergesellschaft mbH« mit Herrn Edebali als Geschäftsführer eingetragen ist, machte die Sache nicht durchsichtiger.

Für Klarheit sorgte der zuständige Makler Stefan Schwitters auf Nachfrage der NorderNews: Inhaber sei definitiv die estnische »E.K. Invest Group OÜ« von Erdal Edebali, die das Gebäude vom vorherigen Inhaber gekauft habe. Besagte Norder GmbH habe mit dem Projekt so wie präsentiert nichts zu tun. Nicht irrelevant, wurde im Bauausschuss doch mehrmals betont, dass der neue Besitzer Wohnungen auch eigenständig vermieten wolle.

© Architekturbüro Reinhard Schneider

Die Ausschussmitglieder taten schließlich das, was die Verwaltung Ihnen als Sitzungsvorlage mit auf den Weg gegeben hatte: Sie nahmen das Bauvorhaben zur Kenntnis. Größtenteils wohlwollend, wenngleich ohne spürbare Begeisterung.

Thomas Vor der Brüggen (FDP) zweifelte an, ob die 54 geplanten neuen Parkplätze für  51 Wohneinheiten und zwei Ladenlokale ausreichen. Gerd Zitting (SPD) meinte in Bezug auf die Norder Innenstadt als Tourismus-Standort, dass »uns auch etwas verloren geht«.

David Gronewold (ZoB) sagte zu den NorderNews, dass der Leerstand des Gebäudes »schon länger im Magen lag« und man nun den »Strohhalm ergreifen« müsse. Grundsätzlich halte er die Planungen für gut, es aber auch »für spannend, ob das alles realisiert wird«.

Das Hotel »Stadt Norden« 2012. Foto: Archiv

Weder zu den Abriss- und Baukosten noch zu den Preisen für den Wohnraum konnte Architekt Reinhard Schneider abschließend eine Auskunft geben. Aber: »Das kostet schon«, es werden bestimmt »keine Sozialwohnungen« entstehen, deutete er an.

Lars Tjaden (SPD) möchte daraufhin »den Finger in die Wunde legen«, teilte er den NorderNews mit: »Was uns in Norden fehlt, ist bezahlbarer Wohnraum für Norderinnen und Norder. Ich würde mir wünschen, dass ein prozentualer Anteil der zahlreichen neuen Wohnungen für jeden zu erschwinglichen Preisen zu haben wäre.«

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