Keine Badelagune in Norddeich

Norddeich: , , – 5.767 mal gelesen

Der Aufsichtsrat der Wirtschaftsbetriebe besiegelt das Ende der Planungen der Lagune im Rahmen des »Masterplans Wasserkante«, wie aus einer Beschlussvorlage für den Rat hervorgeht. Im Tourismus- und Wirtschaftsausschuss ist eine Erleichterung darüber spürbar. Die Suche nach einer Badealternative beginnt von Neuem.

Die Vorplanung für den Bauabschnitt »Lagune« wird beendet und nicht fortgeführt.

Ein Satz wie ein Fallbeil,  aufgeführt in der Beschlussvorlage mit der kryptischen Bezeichnung »0098/2017/VV« auf Basis der Sitzung des Aufsichtsrats der Wirtschaftsbetriebe der Stadt Norden am 2. Februar 2017.  Der Rat wird sich damit in seiner nächsten Sitzung am 28. Februar als Tagungsordnungspunkt 9 »Masterplan Wasserkante Norddeich« beschäftigen.

Das Aus für die Lagune bedeutet allerdings ausdrücklich nicht das Aus für den Masterplan als Ganzes. Priorität soll nun der Bauabschnitt »West« mit Dünenlandschaft und National­park­­promenade haben, Details soll ein Planungsbüro erarbeiten.

Bauabschnitt »West« der Wasserkante mit National­park­­promenade (rot) und Dünenlandschaft (blau) – Planskizze. Quelle: Stadt Norden

Dass der Aufsichtsrat nun aber die Reißleine für die Lagune zieht, ist für Thomas Vor der Brüggen (FDP), Vorsitzender des Tourismus- und Wirtschaftsausschusses, vernünftig: »Die Verantwortlichen der Kurbetriebe haben folgerichtig die Notbremse Richtung Badelagune gezogen. Die neusten Planungen sehen realistisch aus und ich freue mich auf die kommende Ratssitzung. Das ist nun der richtige Weg in die Zukunft für Norden/Norddeich«, teilte er auf Nachfrage der NorderNews mit.

Jürgen Heckrodt, beratendes Mitglied des Tourismus- und Wirtschaftsausschusses und 2. Vorsitzender des Vermietervereins Norden-Norddeich, kritisiert jedoch gegenüber den NorderNews, dass die Entscheidung des Aufsichtsrates ein Alleingang gewesen sei: »Der Ausschuss wurde bislang noch nicht über die neuen Planungen informiert. Diese Entscheidung wurde wieder ausschließlich im Aufsichtsrat der Wirtschaftsbetriebe gefällt.« Heckrodt fügt an: »Allerdings wäre dieser Beschluss schon vor drei Jahren notwendig gewesen!«

200.000 Euro für Vorplanungen in den Sand gesetzt?

Jürgen Heckrodt, beratendes Mitglied des Tourismus- und Wirtschaftsausschusses und 2. Vorsitzender des Vermietervereins Norden-Norddeich

Noch Mitte 2016 hatte der Rat beschlossen, dass die Wirtschaftsbetriebe für die Vorplanungen der Bauabschnitte Lagune, Zentrum und Deich ein externes Planungsbüro beauftragen sollen. Karl Wefers, Geschäftsführer des damit beauftragten Planungsbüros SWUP GmbH, hat dazu dem Aufsichtsrat über den Sachstand berichtet und wird dies ebenfalls noch gegenüber dem Rat tun.  Für diese Investition hagelte es seitdem viel Kritik.

»Auf Hinweise der Fachleute und Leistungsträger wurde leider von der Politik nicht gehört und so wurde außer dem Geld vor allem wieder viel Zeit verschenkt«, schimpft Jürgen Heckrodt, schränkt jedoch ein, dass die geschätzten 200.000 Euro nicht nur für die Badelagune aufgewendet wurden.  Dennoch: »Der Kurdirektor [Armin Korok, Anm. d. Red.] hat immer wieder auf die Einwände gesagt: Es gibt keinen Plan B. Das war einfach grob fahrlässig!«

Thomas Vor der Brüggen ist ebenfalls der Meinung, dass sich diese Summe »gar nicht« rechtfertigen lasse. »Aber der damalige Rat der Stadt Norden hat diese Planungen bestätigt und so indirekt in Auftrag geben. Leider sind die einzelnen Ratsherren nicht haftbar für Ihr Tun und so werden bestimmt immer wieder wahnwitzige Planungen in Auftrag gegeben«, befürchtet der Ausschussvorsitzende.

Alternativen zum tideunabhängigen Baden gesucht

Das Freibad weiterhin geschlossen, keine Badelagune, ergo kein tideunabhängiges Nass am Watt in Sicht. Deswegen sieht der Beschlussvorschlag vor:

Parallel sollen Alternativen einer barrierefreien, tideunabhängigen Bademöglichkeit – mit deutlich reduzierter Wasserfläche und auf 1,35 m verringerter Wassertiefe – außendeichs in der Nähe des Haus des Gastes oder in Anbindung an das Ocean Wave entwickelt werden. Dabei ist insbesondere auf eine Optimierung der Betriebskosten hinzuwirken.

Thomas Vor der Brüggen (FDP), Vorsitzender des Tourismus- und Wirtschaftsausschusses

Heißt dies, dass das Thema Freibad in Norddeich doch nicht vom Tisch ist? Thomas Vor der Brüggen nimmt Befürwortern der Wiedereröffnung des Freibads den Wind aus den Segeln: »Ganz klar kann kein Freibad vor dem Deich gebaut werden. Wir werden immer mehr Sturmfluten bekommen und der Meeresspiegel steigt, so müssen andere Alternativen gefunden werden.« Er persönlich ziehe die Ocean-Wave-Lösung vor, da »dort schon der größte Teil der Infrastruktur vorhanden ist und so mitbenutzt werden könnte«.  Das würde »Norddeich richtig stärken«, meint Vor der Brüggen, der aber als weitere Option auch noch den Frisiasee beim Frisiabad ins Spiel brachte.

Dem widerspricht Jürgen Heckrodt: Ein Freibad beim Ocean-Wave bringe zwar Synergieeffekte, aber das reiche nicht, um den Ort attraktiver zu machen. »Ein Freibad gehört zu Strand und Meer. Ein Bad mitten im Land habe ich auch in Aurich! Norden-Norddeich ist ein Küstenbadeort. Und das Sommer-Sonne-Strand-Feeling kann man nicht hinter den Deich verfrachten.«

Die Beschlussvorlage geht zuerst in die nicht-öffentlichte Sitzung des Verwaltungsausschusses am 22. Februar, bevor der Rat in seiner Sitzung am 28. Februar darüber zu entscheiden hat.

Tideunabhängiges Baden in Norddeich ...

  • wäre mit der Badelagune toll gewesen (68%, 916 Stimmen)
  • in einem Freibad außendeichs (25%, 330 Stimmen)
  • braucht keiner, Watt ist gut (5%, 63 Stimmen)
  • als Erweiterung des Ocean Wave (2%, 30 Stimmen)

Stimmen gesamt: 1.339

Weitere Stimmen zur Badelagune (Aktualisierung vom 20.02.2017)

4 Kommentare

  • Dieter Sander Winterberg Hochsauerlabd meint:

    Nur traurig was da in Norddeich abgeht. Es muss nicht immer der Luxus im Vordergrund stehen. Das Freibad war doch ausreichend. Ein bisschen modernisieren, das hätte gereicht.

  • Karl Heinz Weigelt meint:

    Sehr geehrte Damen und Herren,
    an Herrn vor der Brüggen, was ist das für ein Argument??
    Steigender Meeresspiegel? Mehr Sturmfluten? Darum bleibt das Freibad geschlossen? Müsste man nicht auch aus diesen Gründen das Haus des Gastes ebenfalls schließen? Es werden 200.00€ für Planungen in den Sand gesetzt?
    Ich hoffe für die Region Norden Norddeich das sich nun wirklich mal Experten zusammen setzen, Menschen die wirklich Ahnung haben von dem was sie erzählen.
    Investitionen in Immobilien und Investitionen in die Infrastruktur der Küstenregion müssen Hand in Hand gehen.
    Norddeich braucht kurzfristig eine Attraktion und kein Gefasel über mehr Sturmfluten…

  • Bernd und Silke Peukert meint:

    Wir kommen seit vielen Jahren nach Norddeich (seit 1998) und haben immer sehr gerne das Freibad genutzt, mittlerweile mit der neuen Generation unserer Familie. Umso größer ist die Enttäuschung in jedem Jahr, dass das Freibad weiterhin geschlossen bleibt und auch die Info-Tafeln am Bad die gleichen geblieben sind. Da fühlen wir uns irgendwie nicht mitgenommen. Das Ocean-Wave ist und bleibt eben n u r ein Hallenbad ist (wer geht denn schon bei strahlendem Sonnenschein dorthin?) wir für uns überlegen ernsthaft, unsere Zelte (Wohnwagen) in Norddeich endgültig abzubrechen. Mit diesen Überlegungen stehen wir nicht allein, schade!

  • Bärbel und Eugen Schneider meint:

    Wir waren sehr gerne im alten Freibad und bedauern die Schließung sehr.
    Im „Ocean Wave“ waren wir noch nie; irgendwie ist unsere Urlaubszeit ausserhalb der Hauptsaison nicht kompatibel (oder ZU kompatibel) mit irgendwelchen Renovierungsarbeiten dort, aber wir denken, dass es doch zu sehr den Charme eine Hallenbads hat und der direkte Bezug zum Meer fehlt.

    Wir würden uns ein tideunabhängiges Bad am Strand wünschen.

Ihre Meinung zu diesem Thema?

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.