Wasserkante rückt näher

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Eigentlich waren es gute Nachrichten, die Armin Korok, Geschäftsführer Tourismus und Bäder, und Wolfgang Sikken, Aufsichtsratsvorsitzender der Wirtschaftsbetriebe der Stadt Norden, zu verkünden hatten. Eine neue Planung für tideunabhäniges Baden am Norddeicher Strand stellten die beiden vor, ebenso die nächsten Schritte für die neue Strandpromenade und Dünen. Bis 2021 könnte sich die Küstenlinie deutlich ändern. Doch der Tourismus-Branche stehen harte Zeiten bevor.

Verlauf der geplanten »Nationalparkpromenade«

Seit dem Aus für die angedachte Badelagune im Rahmen des »Masterplans Wasserkante« im Februar war es still geworden um die weitere Entwicklung in Norddeich. Für Ende des Jahres war eine »Wasserstandsmeldung« angekündigt – und vor der letzten Ratssitzung 2017 präsentierten Korok und Sikken die konkreten Ergebnisse.

Festzustellen sei: Das 45 Jahre alte Norddeicher Freibad ist marode, irreparabel. Der Beckenkörper sei aufgeschwommen. Üblicherweise sei er durch Pfähle im Untergrund verankert, die hier nun gebrochen sind. Die Pfähle könnten nicht repariert werden, ohne das Becken zu zerstören, Kernbohrungen ergaben zudem erhebliche Korrosionsschäden an der Betonbewehrung. Korok unterstrich, dass die Schäden schon bereits vor der Schließung des Bads im Herbst 2014 bestanden hätten, sie seien aber erst in diesem Frühsommer aufgrund der Untersuchungen bekannt geworden.

Deutlich kleiner als bisher soll das Freibad in Norddeich werden. Nur: Unter »20x25m« kann man sich wenig vorstellen. Wir haben mal nachgemessen und das neue Becken über das alte (ca. 3800 m²) gelegt… Kartenmaterial © 2017 Google

Eine Sanierung des Freibads sei so nicht möglich. Nach Diskussionen mit dem Aufsichtsrat und dem Rat der Stadt Norden favorisiere man nun einen Neubau eines beheizten (das ist neu) Freibades an alter Stelle mit deutlich reduzierter Wasserfläche (20 x 25 m, derzeit ca. 3800 m²) und Wassertiefe (1,35 m). Geschätzte Kosten: Drei Millionen Euro. Zwar könne die Attraktivität wegen des beheizten Wassers steigen, auf der anderen Seite sinke aber die zur Verfügung stehende Wasserfläche. Gutachter gingen deswegen von nur etwa 20.000 Badegästen und immerhin einer mittleren sechsstelligen Summe für den Unterhalt des Bads pro Jahr aus. Ein »Familienbad« soll es werden, mit »vielen kleineren Attraktionen«.

Ob das neue Freibad kommt oder nicht – diese Entscheidung obliegt dem Rat der Stadt Norden.

Promenade und Dünenlandschaft nehmen Züge an

Das Freibad ist aber nur ein Teil des »Masterplans«. Die Umgestaltung der Strandfläche mit »Nationalparkpromenade« und »Dünenlandschaft West« nimmt Züge an, eine Bietergemeinschaft aus Landschaftsplanern und einem Ingenieurbüro wurde nach europaweiter Ausschreibung beauftragt, Entwürfe vorzulegen und die Kosten genauer abzuschätzen. „Wir gehen im Moment von folgenden Baukosten aus: Nationalparkpromenade 4,2 Mio. Euro netto, davon 50 % Förderung, und Dünenlandschaft West 2,5 Mio. Euro netto, davon 65 % Förderung.“, so Armin Korok.

Armin Korok, Geschäftsführer Tourismus und Bäder der Wirtschaftsbetriebe der Stadt Norden

Die Funkstille seit Februar? »Wenig sexy«, gibt Korok zu. Meterweise hätten sich Akten angesammelt, die Arbeit im Hintergrund habe aber dennoch zu einer „Initialzündung am Strand“ geführt. Norddeich sei Stand jetzt nicht wettbewerbsfähig, er erhofft sich nun einen »Quantensprung, der zu einer Aufwärtsspirale« führt.

Aber auch mit der Promenade und den neuen Dünen wird es noch dauern. 2018 wolle man die Förderanträge stellen (soweit der Rat zustimmt) und bei positiver Rückmeldung mit dem Umbau beginnen.

Genau hier liegt aber die Crux: Klappt alles mit der Wasserkante, würden sich die Bauarbeiten am Freibad und dem Strandbereich überschneiden. Mit der möglichen Folge, dass Norddeich 2020 keinen Strandbetrieb mehr bieten könne. Armin Korok schließt davor nicht die Augen. »Selbstverständlich gehen wir von Einbußen aus«, so der Kurdirektor, »wir müssen mit den Vermietern an einem Strang ziehen und die Gäste rechtzeitig informieren, warum wir das alle tun.« Ohne Petrus´ Unterstützung wird Norddeich dabei nicht auskommen: Gebaut werden darf wegen des Hochwasserschutzes nur von April bis Oktober.