Onkel Theos Hütte

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Selbst wenn man dem weihnachtlichen Trubel nicht viel abgewinnen kann – ein Besuch bei »Theos Glühwien-Hus« ist für viele Norderinnen und Norder zum Jahresabschluss gute Tradition geworden. Seit über zwanzig Jahren steht Theodor Hinrichs regelmäßig auf dem Weihnachtsmarkt. Das Wort »Institution« möchte er dabei nicht hören. Dafür ist der 69-Jährige aus Buttforde zu bescheiden. Auch dafür, die genaue Jahreszahl zu nennen.

»Onkel Theo« mit seiner »besten Freundin«

Theodor Hinrichs ist kein Lautschreier, hält sich an seinem Glühweinstand meist im Hintergrund. Die Tage zur Weihnachtszeit sind für den gelernten Bäcker lang. Täglich steht er um sieben Uhr auf, geht duschen und verlässt das Haus nicht vor drei Tassen Tee, »da bin ich Ur-Ostfriese«, betont er.

Gegen neun Uhr schlägt er an seinem Glühwien-Hus in der Osterstraße auf, um 10.00 Uhr geht’s los – und »dann open end«. Geschlossen wird je nach Wetter, Andrang, Lust und Laune. Mal früher, wenn Hinrichs seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter noch zum Abendessen ins Restaurant einlädt. Mal später, wenn seine Gäste, aus denen erst Bekannte und mittlerweile Freunde geworden sind, noch nicht nach Hause wollen.

Darauf, dass trotzdem alle gut in die eigenen vier Wände kommen, legt »Onkel Theo«, wie er sich selbst nennt, großen Wert. Dass Grog und Glühwein schnell zu Kopf steigen können, ist ihm natürlich bewusst. Weswegen er auf den Gebrauch seiner Gäste von Schüsseln für Autos und Fahrräder ein besonderes Augenmerk hat: »Denen rufen wir lieber ein Taxi.«

Wer glaubt, Theos Glühwein dabei zu kennen, irrt sich. Jedes Jahr ist es eine andere Mischung, ab Juni beginnt die Auswahl und kurz darauf die gesamte Vorbereitung auf den Weihnachtsmarkt, eine „enorme Logistik“ habe er aufgebaut. Kein Wunder, schließlich betreibt Theodor Hinrichs nicht nur einen Glühweinstand, sondern im Familienunternehmen (gegründet 1907) eine Reisekonditorei, mit der er auf Jahrmärkten ganz Ostfriesland mit Berlinern und süßem Gebäck versorgt.

Auch wenn Theodor Hinrichs schon längst nicht mehr arbeiten müsste – ein Ende sieht er nicht. Zum einen, weil ein Nachfolger fehle. Zum anderen wegen des »Spaßfaktors«. Onkel Theo ist gerne unter den Menschen, sieht sein Glühwien-Hus vor allem als Ort der Kommunikation, wo sich Leute treffen und unterhalten. Kaum sagt er das, kommt eine rüstige Dame vorbeigeschneit (»meine beste Freundin«, grinst Hinrichs), freut sich sichtlich über ihr Heißgetränk, setzt sich neben Onkel Theo, berichtet von ihrem Tag (»nur Briefe geschrieben«) und bedient sich munter an den Keksen.

In diesem Jahr geht die Glühwein-Saison in Norden etwas länger. Wer Theodor Hinrichs nun bemitleidet, über fünf Wochen nur Weihnachtsmusik hören zu müssen, ist auf dem Holzweg. Auf dem Fernseher in seinem Stand läuft entweder eine Präsentation seines Angebots („selten, weiß eh jeder, was es bei mir gibt“), oder eine für den normalen Besucher eines Weihnachtsmarkts etwas sonderbar anmutende Show einer Rock-Band: die »Toppers« aus den Niederlanden. »Ich bin großer Holland-Fan«, erklärt Onkel Theo, »die füllen da Stadien!« Auch in diesem Jahr sei es ihm nicht gelungen, an Karten für eines ihrer Konzerte zu kommen, sagt er, und schaut etwas bedröppelt.

Weihnachten selbst verbringt Theodor Hinrichs im ganz kleinem Familienkreis und nutzt die Feiertage zur Erholung. Denn der Norder Weihnachtsmarkt geht in die Verlängerung. Bis es im Frühjahr mit seiner Reisekonditorei weitergeht, wird Onkel Theo also sicherlich noch vielen ein Ohr leihen und es warm ums Herz werden lassen.

Text/Foto oben: Lars Schafft

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