Gemeinsam gegen »Wotans« ölige Fracht

Emden/Aurich/Norden: , , – 194 mal gelesen

Eine Kollision vor der Knock, ein Tanker in Not und 200 Tonnen ausgelaufenes Öl in der Ems: Dieses düstere, aber durchaus realistische Szenario diente am Samstag (10.11.) als Basis für eine umfangreiche Stabsrahmen-Übung in Ostfriesland. An Leitstellen-Standorten in Aurich und Emden sowie in der NLWKN-Direktion in Norden probten Vertreter der betroffenen Behörden und des Landesbetriebes zusammen mit dem Havariekommando Cuxhaven dabei die Zusammenarbeit auf Stabs- und Führungsebene. Sie ist die Voraussetzung dafür, dass im Falle eines echten Schadstoffunfalls Gegenmaßnahmen schnell und effektiv ergriffen werden können.

Lagebesprechung der Lenkungsgruppe in der mobilen Einsatzzentrale in Norden: Die Akteure von Stadt, Landkreis, THW und NLWKN stehen in ständigem Kontakt mit dem Havariekommando und den Einsatzleitstellen in Aurich und Emden.

Die Lage auf den Bildschirmen der mobilen Leitstelle, die das Technische Hilfswerk an diesem regnerischen Samstag im Innenhof des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) in Norden eingerichtet hat, ist ernst: Bereits am Vortag, so die Ausgangslage der Simulation »AUR-EMD 2018«, war es auf der Ems in Höhe des Knock-Anlegers zu einer schweren Kollision zweier Schiffe gekommen. 190 Tonnen Öl des Tankers »Wotan« treiben seitdem – begünstigt durch Westwind und Tide – auf die Küste zwischen Emden und Upleward zu.

Der NLWKN ist bei Ölverschmutzungen im Küstengewässer bis zur Mittleren Tidehochwasser-Linie (MTHW) zuständig. »Wegen der erhöhten Tide in unserer Simulation erstrecken sich die Anlandungen aber auch in die Zuständigkeitsbereiche der Stadt Emden und des Landkreises Aurich«, erklärt Dirk Oberliesen, Aufgabenbereichsleiter Schiffsbetrieb und Schadstoffunfallbekämpfung beim NLWKN in Norden.

Wie bei einer echten Schadenslage

Wie bei einer echten Schadenslage, so sind deshalb an diesem Samstag neben Kräften des Landesbetriebs auch Vertreter der Stadt Emden, des Landkreises Aurich und des Havariekommandos Cuxhaven im Einsatz. Unterstützt werden sie durch mehrere Fachgruppen `Führung und Kommunikation` des Technischen Hilfswerks. Denn mit der Feststellung eines sogenannten Komplexen Schadstoffunfalls durch das Havariekommando greifen die Regularien einer speziell in Niedersachsen geschlossenen entsprechenden Verwaltungsvereinbarung über die behördliche Zusammenarbeit im Schadensfall.

In der mobilen Fernmeldezentrale des THW laufen im Falle eines Ölunfalls die Fäden bei der Bekämpfung der Schadenslage zusammen.

Übungen und Schulungen zur Vorbereitung auf den Ernstfall sind für den Landesbetrieb wichtige Bausteine in der Schadstoffunfallbekämpfung: Schließlich komme es darauf an, dass die Zusammenarbeit mit anderen Organisationen auch unter schwierigsten Rahmenbedingungen einwandfrei funktioniere, heißt es beim NLWKN. Rund 20 praktische Ölwehr-Übungen gibt es deshalb pro Jahr – im ostfriesischen Wattengebiet ebenso wie auf der Weser, der Elbe und der Ems.

Hinzu kommt eine einmal jährlich stattfindende Stabsrahmenübung. „Das Besondere an ihr ist der Fokus auf die Zusammenarbeit auf Stabsebene, denn: Auch die notwendigen Stabs- und Führungsstrukturen müssen optimal auf die Bekämpfung einer entsprechenden Schadenslage an unseren Küsten vorbereitet werden“, betont Birgit Heddinga, Geschäftsbereichsleiterin für Schadstoffunfallbekämpfung im NLWKN. Die zur Bewältigung der Aufgaben herangeführten Schiffe, Einsatzkräfte und Spezialgeräte wie schwimm- und watttaugliche Einsatzfahrzeuge oder motorgetriebene Ölaufnahme-Geräte kommen dabei nur auf dem Papier zum Einsatz.

Komplexe Koordination an drei Standorten

Für die Einsatzkräfte, die sich an diesem Samstag in den mobilen und ortsfesten Einsatzzentralen über die neuesten Driftberechnungen und Lagepläne beugen, bedeutet dies vor allem: Planen, koordinieren und kommunizieren. In den Einsatzstäben Emden, Aurich und Norden gilt es den ganzen Tag über, rasch eine geeignete Stabs- und Führungsstruktur aufzubauen: Personal- und Geräteeinsätze müssen im Rahmen der Stabsübung koordiniert, detaillierte Bekämpfungskonzepte für den eigenen Zuständigkeitsbereich erarbeitet werden.

Gegen 16 Uhr ist der simulierte Spuk vor der Küste Ostfrieslands schließlich vorbei und die Übung beendet. Nachdem bereits die NLWKN-Ölbekämpfungsschiffe Leysand und Leyhörn im tiefen Wasser 30 Tonnen Öl hatten aufnehmen können, gelingt es am Ende des Tages dabei mit vereinten Kräften, die simulierte Ölverschmutzung mit dem gemeinsam entwickelten Bekämpfungskonzept auch am Festland in den Griff zu bekommen. Eine detaillierte Auswertung des Zusammenwirkens der verschiedenen Akteure soll zeitnah erfolgen. Die Übungsleitung nutzte den Rahmen der Abschlussbesprechung, um neben den ortsfesten Einsatzstäben insbesondere den Kameradinnen und Kameraden der drei THW-Fachgruppen FK Bremen-Nord, Stade und Oldenburg für ihr Engagement und ihre weite Anreise zu danken.

Quelle/Fotos: Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz

Ihre Meinung zu diesem Thema?

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.